Wurzer Geschichten

Die Wurzer-Alm dieser einmalige Ort ist für mich ein kleines Rifugium der Natürlichkeit. Natürlichkeit in der von Natur gegebenen Umgebung, Natürlichkeit in dem was man zu sich nimmt und an sich ran lässt. Natürlichkeit im Sein.

 

Es scheint fast, dass mit der schweisstreibende Aufstieg auf die Alm über all die Wurzeln, Steine und sontige Stolperfallen die Menschen auf dem Weg zur Alm die Last der Fassade die sie mit sich rumschleppen abwerfen lässt.

 

Warum?

Vielleicht weil man sich im meditativen Schritt bei der Focusierung auf die Frage wo man den nächsten Schritt hinsetzt einfach am Weg verliert... Vielleicht weil sie einfach zu schwer ist... Vielleicht weil sie vor der mächtigen Kulisse der Berge einfach nur lächerlich wirkt oder weil man weder Tier noch Mensch (die Wurzer) damit beeindrucken kann... Ich weiss es nicht.

 

Der Aufstieg, der Ausblick, die Endorphine, die Luft, das Essen, die Spiegelneuronen ... was auch immer noch mitwirkt eine Begegnung auf der Wurz ist anders. Es ist so ein bisschen wie nach Hause zu kommen ohne erklären oder erzählen zu müssen. Jeder ist wirklich von Herzen willkommen. Egal woher er kommt oder aussieht.

 

Haben die Menschen auf der Wurz denn auf einmal keine Probleme, Sorgen oder Ängste mehr, könnte man sich fragen... Die Antwort wäre NEIN. Denn sie sind gerade angekommen. Sie haben Ihr Ziel erreicht. Sie sind gerade im Hier und Jetzt. Wer sein Ziel erreicht der braucht erst mal nichts anderes. Ok, jene welche die mit Karotte und Peitsche erzogen wurden vielleicht ein Belohnung in Form von Speiss und Trank aber eine Fassade brauch hier niemand. Sonst eigentlich auch nicht aber das ist wohl ein Thema für mehr als einen Blog Eintrag.

 

Vieles scheint auf der Wurzer Alm profan und ist doch sehr tiefgehend. Zum Beispiel kommt man einfach nicht umhin sich mit der Herkunft des Fleisches das auf dem Teller landet zu beschäftigen wenn Dich die Augen zweier Hängebauchschweine namens "Speck und Kaminwurz" beim verzehr deiner Räucherware am Teller beobachten. Oder man bekommt den wahrhafig ursprünglich sinngemäßen  Einsatz von Tiermilch zu sehen wenn die Lämmer und Kitze mit der Flasche aufgezogen werden.

 

Bei all der philosophischen Tiefe schwingt immer die Leichtigkeit des Wurzer - Seins mit. "Das Leben ist wie es ist und wir machen das beste daraus, also das was uns erfüllt"  wäre wohl eine treffende Beschreibung der Stimmung die auf der Wurz  in der Luft liegt.  Sie liegt wohl an der Ausstrahlung von Ulli und Markus. So unterschiedlich wie der Tag und die Nacht so rund wie der Mond und die Sonne, federleicht aber tiefgründig wie Wasser. Ein wenig Pragmatismus gepaart mit einer Briese Machismus würzen zusammen mit viel Humor und guter Laune die Mixtur.

 

Viele Meister, Philosophen und Gelehrte sind in die Berge gegangen und haben dort meditiert. Dabei gibt es unterschiedliche Formen der Meditation. Auch Arbeit ist eine wie wir vom Hl. Benedikt erfahren haben. Für anderes heißt es Karmayoga und für wieder andere Tagträumen. Ausschlaggebend ist wohl aber der tägliche unausweichliche Blick auf die Berge, die einem die Relevanz und Vergänglichkeit, des eigenen Daseins täglich unter die Nase reiben. Auch der Blick ins Tal spielt wohl eine Rolle. Überheblich befreiend wenn man sich oben weiss. Der Blick in den Himmel, in dem man aufgrund fehlender Lichtverschmutzung des Nachts, wirklich noch die Dimension des Weltalls erahnen darf, erteilt selbst den hartnäckigsten Egomanen eine Lektion in Demut und Dankbarkeit.

 

Aber wann, wann genau ist die Fassade gefallen. Wann ist der Zeitpunkt der Befreiung?


Für mich ist das, wenn ich auf meinem Weg zur Wurz beginne den süßlichen Duft des Waldes und der Wiesen zu riechen. Mit jedem Atemzug dieses Duftes bröckeln Tonnen meines Panzers von meinen Schultern bis ich wieder Eins bin mit der Natur. Bis ich wieder natürlich bin. 

 

GD