Dezember auf der Alm

Dezember auf der Alm

 

Ich spüre den Drang aufzubrechen…ich bin schon seit einigen Tagen nicht mehr auf meiner Alm gewesen. Ich spüre daß ich hinaufgehen muss. Ich schlüpfe in meine Wanderkleider und schnüre mir meine Wanderstiefel. Es ist ein kalter, aber klarer Dezembermorgen. Meine Wanderung beginnt beim Ferienhaus Ganthaler in Hafling. Noch ist es ruhig am Bauernhof, doch nicht mehr lange, denn bald ist Weihnachten und junge Familien werden mit ihren Kindern vor dem Haus im Schnee spielen. Ich sehe das Lachen in ihren Gesichtern

So in Gedanken versunken stapfe ich los. Unter meinen Schuhen knirscht der frische Schnee. Es hat gestern geschneit und die Baumwipfel haben ein weißes Häubchen. Heute bin ich die Erste auf dem Weg zur Wurz. Meine Fußspuren sind gut sichtbar im weißen Pulver zu sehen. Doch schon bald sind meine Spuren nicht mehr die Einzigen. Ein Fuchs war schon vor mir unterwegs. Jetzt sehe ich Hasenpfoten und auch ein Reh hat den Unterstand der letzten Nacht verlassen und sucht auf der offenen Weidefläche nach Gras.

Oh wie schön ist es heute beim Komper Weiher. Er glänzt romantisch im Licht der ersten zarten Sonnenstrahlen, die durch die Bäume einfallen. Dawo ich noch im Sommer meine Runden im Wasser geschwommen bin, ist jetzt dickes Eis. Ein wahrhaft zauberhafter Platz. Zu jeder Jahreszeit.

Ich überquere die Fahrstraße und gehe in die Abkürzung. Es ist ein Wintermärchen. Die kleinen Bäumchen sind unter der Schneedecke nur mehr zu erahnen und die Äste der größeren Bäume verneigen sich vor mir durch die schwere Last. Teils gebückt gehe ich meinen Weg. Es ist wie im richtigen Leben… manchmal kann man gerade gehen und manchmal nur gebückt.

Doch schon an der nächsten Lichtung bietet sich mir ein neuer Ausblick. Ich kann den Ifinger sehen, wie er so erhaben in seinem winterlichen Kleid vor mir steht. So stark, so mächtig, so unerschütterlich. So wäre ich auch gerne, denke ich mir noch bevor ich meinen Weg Richtung Alm weitergehe.

Ich atme die reine Luft des kalten Morgens ein und erreiche mein Ziel: die Wurz. Mir scheint sie schläft noch und ich werde sie nun aufwecken. Ich schließe die Tür auf und erfülle die Hütte wieder mit Leben.

Holaloiti…..

Schön wieder da zu sein!

Ich mache Feuer im Herd und wärme mir meine kalten Hände. Bald ist es mit der Winterruhe vorbei, denn schon am 26. Dezember wird sich die Gaststube mit netten Gästen füllen.

Ich freue mich auf Euch.

Bis Bald… Eure Hüttenwirtin Ulli